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BEAUTY INSIDER: Im Gespräch mit Monika Spisak, Hair-& Make-Up Pro

6. Februar 2017

Wer denkt, dass das Thema „Beauty“ nur oberflächliches Tussi-Gelabber ist, der irrt sich ganz gewaltig. Das wirklich allerbeste Beispiel dafür ist Monika Spisak. Sie ist nämlich nicht bloß Hair & Make-up Artistin und kann aus müder Modelhaut die prallste Schönheit zaubern und Volumen losem Haar wieder neues Leben einhauchen, die schöne Rothaarige ist dazu noch Kunst interessiert, liebt Populärkultur und ist ein echter Organisationsfreak. Zudem ist ihre liebste Eissorte Yoghurt, sie steht auf helles Altrosa, liebt Tiere, ist aber kein fanatischer Vegi, achtet aber sehr auf Bio-Produkte, ist picky, wenn es um Kaffe geht und bevorzugt die italienische Variante namens Espresso und hat eine Schwäche für schöne Handtaschen.

Zum allerersten Mal trafen wir uns bei einem Pressevent irgendwann vor einigen Monaten. Sie verpasste mir den schönsten Glow, gab mir ein paar nützliche Kniffe an die Hand und inspiriert mich seitdem fast täglich mit ihrem Instagram-Account. Für bare minds hat sie heute ihre persönliche Best-Of-Beauty-Liste zusammengestellt, ihre Profitipps ausgepackt und ihre schönsten Bilder mitgeschickt.

Da ihr Intro in der Email nach unfassbar viel Herzblut, sehr gutem Stil, Sinnlichkeit, mit noch mehr schweizer Charme und Ehrlichkeit klang, starten wir erst damit, aber lest einfach selbst:

Liebe Monika, lass uns erstmal kurz über die Fakten sprechen. Stellt dich doch mal kurz vor und erzähl ein bisschen was von dir.

Also, ich heiße Monika Spisak und bin in Zürich aufgewachsen. Seit knapp 2 Jahren lebe ich in Hamburg. Seit fast 10 Jahren arbeite ich als Hair-&Make-up Artist. Die Themen Beauty haben mich schon sehr früh fasziniert und ich wusste mit ca. 11 Jahren, dass ich auch beruflich in die Richtung gehen will. Während meiner Mittelschulausbildung an einem italienischsprachigen Kunstgymnasium habe ich oft das Gelernte ins Makeup und in die Haare übersetzt, also dort ausprobiert. Schattieren, Aufhellen, 3-D-Effekte erzeugen, mit Farben umgehen, mit Materialien experimentieren usw. Meine ersten „Arbeiten“, wenn man das so nennen darf ;-), sehen darum auch eher nach Maskenbildnerei aus und lehnen sich an Märchen- und Fantasiefilmwelten an. Und hier kommt ein kleines Geständnis, ich liebe Populärkultur, z.B. Serien wie „Stranger Things“, „True Blood“, „Friends“, „Game of Thrones“ oder „Leftovers“ oder Filme wie „Star Wars“ (alle), „Dirty Dancing“, „Breakfast at Tiffanys“ oder „Darjeeling Limited“. Und natürlich hat mich die Kunst der Moderne auch sehr stark beeinflusst. Ich bewundere Künstler wie Michelangelo, Da Vinci, Dürer oder Botticelli, finde auch die Renaissance in gewisser Weise revolutionär, aber Künstler der Moderne wie Picasso, Monet, Klee und Kandinsky sind für mich sehr inspirierend und haben mich sehr stark geprägt. Künstler der Pop Art wie Warhol und Johns sind für mich ausschlaggebend, warum und wie ich das mache, was ich mache, nämlich kommerzielle Kreativarbeit. Was ist Kunst, wo ist die Grenze zwischen Kommerz und Kunst, was passiert wenn aus Kunst Kommerz wird und ist das Umgekehrte auch möglich? Ist Kunst und Populärkultur wirklich ganz etwas anderes?

Ich sehe mich aber überhaupt nicht als Künstlerin, sondern als kreativen Mensch. Dennoch lebe ich durch meine Arbeit ein gewisses gestalterisches Bedürfnis aus und Kunst und Populärkultur (für mich eben sehr eng miteinander verbunden) sind immer wieder wichtige Inspirationsquellen für mich, um weiter zu kommen.

Erzähl uns zum Start drei random Beauty-Facts über dich.

  1. Ich setze bei mir selber mehr auf Pflege- als auf Deko-Produkte.
  2. Mir steht sehr wenig Augenmakeup, eigentlich ist bei mir einfach nur Mascara am besten.
  3. Ich habe nie eine Makeup- oder Beauty-Schule besucht, auch keinen Wochenendkurs, sondern einfach alles, was ich während meiner Kunstausbildung gelernt habe, mit Make-up und Haaren ausprobiert.

Was ist Deine Definition von Schönheit?

Das klingt jetzt mega cheesy, aber für mich kommt Schönheit von Innen und zeichnet sich an kleinen Fehlern aus. Ich habe ständig mit „perfekten Leuten“ zu tun – Models, SchauspielerInnen und sonstige Leute aus der Mode- und Beauty-Branche. Ich bin von idealer Schönheit umgeben sozusagen. Was mich aber wirklich berührt, mich inspiriert, ist eine andere Schönheit. Das ist etwas, das ein Mensch ausstrahlt. Und oft haben Menschen, die nicht ganz perfekt aussehen, z.B. eine etwas grössere Nase oder abstehende Ohren haben, sich aber damit abgefunden und sich „schön“ finden, genau diese schöne Ausstrahlung. Weil sie sich nicht so an Äusserem festnageln und sich davon sprichwörtlich nicht die Laune vermiesen lassen und das Leben geniessen. Das inspiriert mich, das berührt mich, das finde ich schön.

Das hast du schön gesagt! Und wie wichtig ist Beauty für dich?

Das Thema Beauty beschäftigt mich, seitdem ich begriffen habe, dass man Farbe nicht nur aufs Papier, sondern auch das Gesicht pinseln kann. Da war ich etwa 6 oder 7 Jahre alt. Ich glaube, in dem Moment war meiner Mutter klar, dass ich auch beruflich „etwas mit Beauty“ machen werde, auch wenn sie damals glaube ich mehr hoffte, dass ich „etwas mit Kunst“ tun werde. In dem Sinne ist Beauty sehr wichtig für mich, aber ich beschränke das Thema keineswegs nur auf die einzelnen Produkte. Das Schöne in den Menschen zu sehen, sich davon inspirieren lassen und diese Inspiration wiederum in meine Arbeit einfliessen zu lassen, das gehört für mich alles dazu.

Hast du eine besondere Beauty-Obsession? 

Ich liebe Gesichtsmasken. Ich mache min. ein Mal die Woche eine, oder vermutlich eher zwei Mal. Dabei kommt es ganz auf mein „Bedürfnis“ drauf an, eine Feuchtigkeitsmaske z.B. La Mer „The Intensive Revitalizing Mask“, eine straffende Maske z.B. Estee Lauder „Advanced Night Repair Concentrated Recovery Powerfoil Mask“ (70,00 €) oder eine klärende wie die von Clinique „Pore Refining Solutions Charcoal Mask“ (30,00 €)… In Creme- oder Tuchform. Und Augencreme ist ein Must, am besten morgens und abends Dr. Hauschka „Augencreme“ (27,49 €).

Verrate uns doch mal: Auf was achtest Du beim Kauf von Kosmetik Produkten?

Auf die Funktionalität, also was kann das Produkt. Auf das Design, also wie kommt es daher und wie ist es verpackt, auch Verhältnis Inhalt/Verpackung. Auf den Inhalt, also was drin steckt. Natürlich spielt der Preis auch eine Rolle, obwohl gewisse Qualität einfach seinen Preis hat und ich absolut gewillt bin, diesen zu zahlen. Hier kommt es auch auf die Menge von gewissen Inhalten drauf an, wenn z.B. in einer Creme 0,001% oder 1% eines Inhaltsstoffes ist, macht das natürlich einen preislichen aber eben auch qualitativen Unterschied, für welchen ich gerne zahle.

Nachhaltige Produkte werden immer mehr zum Thema. Organic-Marken schießen wie die Pilze aus dem Boden. Welche green beauty- oder vegane Beauty-Produkte benutzt du?

Ich liebe die Dr. Hauschka Produkte. Die „Rosencreme leicht“ gehört immer wieder zu einem Alltagsprodukt, bereits seit ich ca. 17 Jahr alt bin. Die Masken (hehe, eben, ich hab da einen Spleen) sind auch super, z.B. die „Revitalisierende Maske“ und die „Reinigungsmaske“. Neulich habe ich für das Berliner Label  Und Gretel gearbeitet und die Produkte fand ich auch toll, das Duo Blush „Sunne Leve“ und die Kajalstifte in Gold und Silber (geben tolle Highlights im inneren unteren Augenrand) liebe ich und benutze diese im Moment sehr oft. Für die Haare finde ich Rausch super, das ist eine Schweizer Haarpflege-Marke, die mit Kräutern arbeitet, die Produkte sind echt gut und riechen lecker! Für den Körper liebe ich Weleda-Produkte –Duschgels und Lotions –, die „Skinfood“-Creme z.B. ist ein allrounder und das Beste gegen super spröde und trockene Haut am ganzen Körper.

Was mir bei Kosmetik- und Haarprodukten auch sehr wichtig ist, ist das Thema mit den Tierversuchen. Darum finde ich Kevin Murphy auch sehr gut, da sie darauf verzichten und tolle Produkte machen. Die Stylingprodukte überzeugen mich etwas mehr, als die Pflegesachen. Grundsätzlich ist es für mich nicht einfach, sich ausschliesslich mit ökologischer und biologischer Kosmetik einzudecken, aber ich probiere alles aus, was mir in die Hände fällt und unterstütze auch sehr gerne solche Brands, die eben auf diese Faktoren achten. 

Geile Haare, geile Farbe. Wie pflegst du deine Haare?

Schlechtes Schampoo – nix mit geilen Haaren. Eine sehr gute Freundin von mir, Rachel Bredy, Hairstylistin, ist da voll der Profi und hat mich mal so richtig aufgeklärt, wie gute Haarpflege aussieht: Nicht zu viele Zusätze wie z.B. Weichmacher, es sollten möglichst keine Silikone und Parabene drin sein, die wirken zwar zuerst super, denn sie verkleben die Haarschuppen, aber so trocknen die Haare von innen aus, weil keine Feuchtigkeit mehr reinkommt! Für die Schliessung der Schuppenschicht sollte man natürlich immer einen Conditioner anwenden, passend zum Haartyp. Haarpflege ist, wie auch Beautyplfege, super individuell und jeder muss die für sich besten Produkte finden.

Ich benutze bei jeder Haarwäsche ein Schampoo & Spülung z.B. AVEDA „Pure Abundance“-Linie, ein Mal pro Woche mache ich eine Haarmaske zum Beispiel von Moroccanoil, das ist eine „leichte Feuchtigkeitsmaske“ (24,90 €) und drei Mal im Monat gibt es eine Glosskur für Glanz z.B. von Revlon Professional „45 Days total color care“ (ca 9,00 €). Ich habe feine Haare und darum ist es mir wichtig, dass das Wort „Volumen“ bei meinem Produkten irgendwie vorkommt ;). Auch wechsle ich immer wieder mal beim Schampoo ab. Ich habe das Gefühl, die Haare werden irgendwie „schlapp“, wenn ich sie immer mit den gleichen Produkten wasche.

Ok, die Revlon Kur hört sich spannend an, muss ich auch mal austesten. Und sag schon, welche Tools kommen bei der Haar-Routine zum Einsatz?

Also aktuell schwöre ich auf das Salz-Spray „Hair.Resort.Spray“ von Kevin Murphy (ca 26,00 €), gibt ne tolle Textur und macht die Haare super griffig, Volumen-Puder finde ich auch super z.B. „Powder.Puff“ von Kevin Murphy (26,00 €), gibt Ansatzvolumen und auch eine griffige und raue Textur, super für feines oder super-gesundes, glattes und „rutschiges“ Haar und ein Glätteisen, mit dem man auch Wellen machen kann, ich hab das von GHD (ca. 150,00 €). Das braucht ein wenig Übung, aber wenn man den Dreh raus hat, ist das echt ein tolles Tool, um schnell natürliche und unperfekte Bewegung ins Haar zu bringen. Das Ganze dauert keine 10 Minuten.

Welchen Beauty-Trend sollten wir mitmachen und welchen sein lassen?

Unbedingt machen: Den sogenannten „No-Makeup“-Look. Weniger ist mehr, man soll sich gerne auf ein paar wenige Aspekte konzentrieren und die dafür top machen.

Sein lassen: Make-Up-Schichten a la Coloring, falsche Wimpern am Stück aufkleben, Microblading (ausser es ist wirklich extrem gut gemacht), Strobing und Contouring a la Kardashians. In Maßen ist das super, aber nicht übertieben, das ist sowas von vorbei finde ich… und es sieht einfach live wirklich unheimlich aus.

Und welchen Beauty-Trend hast du mitgemacht und bereut?

Puh, das wäre wohl die Haare dunkel färben (nussbraun) und super glatt strecken, aber das war mit 15 und die coolen Mädels hatten das halt so ;). Ansonsten bereue ich keinen Trend, den ich ausprobiert habe. Irgendwann hat es mir einfach nicht mehr gefallen und es nicht mehr gemacht, aber grundsätzlich stehe ich hinter dem, wie ich die letzten 14 Jahre rumgelaufen bin.

Was ist dein Beauty “Long Time Favourite” und was deine neueste Entdeckung?

Ich liebe die „Effet Faux Cils“ Maskara von YSL (26,25 €) für mich privat. Die benutze ich schon seit ca. 13 Jahren. Und ich liebe sie tatsächlich in allen Farben, das blau ist toll im Sommer, aber auch das Aubergine ist cool. Neu entdeckt habe ich für mich privat vor kurzem die langhaltenden Lippenstifte von KIKO („unlimited double touch“), die halten echt super fest.

Für die Arbeit gehört der flüssige Illuminator von NARS in der Farbe „Copacabana“ (42.42 €) zu meinen ältesten Begleitern. Bis jetzt habe ich keinen Ersatz gefunden dafür. Neu entdeckt habe ich die „pop liquid matte“ Lippenstifte von Clinique (23,00), die sind toll! Und auch die neue Foundation „Skincolor“ von La Mer (95,00 €) ist der Hammer.

Und was ist dein liebster Beauty-Look?

Natürlich glowy. Also eine strahlende Haut, wenig Rouge, natürliche Lippen und Maskara. Das sieht einfach im Zweifelsfall immer gut aus. Und man kann den Look immer mit einer roten Lippe pimpen, „reduce to the max, keep it simple and stay natural“ lautet meine Devise.

DIY Beauty: Plünderst du manchmal für ein Beauty-Ritual die Küche? Wenn ja, für welches?

Eine meiner ersten Masken war Quark mit Honig, das hatte ich damals glaube ich in der Bravo gelesen oder so, also mit etwa 11 Jahren. Ist immer noch ein sehr guter Feuchtigkeitskick, vor allem im Sommer, wenn man vielleicht auch ein wenig zu viel Sonne erwischt hat.

Für die schönsten Beine und allgemein Körperhaut mache ich immer wieder ein Peeling. Dazu nehme ich Olivenöl und mische Zucker dazu. Den ganzen Körper (am besten in der Dusche) einrubbeln und dann mit Wasser abwaschen. Wenn, dann nur wenig Duschlotion verwenden und nur tupfend abtrocknen. Man riecht danach zwar ein wenig nach Olivenöl, aber ich mag das und mich stört es nicht. Die Haut fühlt sich babyzart an.


Kurz und knapp:

Welche ist für dich das beste Beauty-Produkt, das es je auf dem Markt gab und warum?

Concealer, ein Produkt – so viele Effekte und zwar gute… haha!

Beste und günstigste Beauty-Errungenschaft?

Kokosöl als Abschminkmittel, Pflege und für Peelings.

Rote Nägel oder rote Lippen?

Beides, haha! Dafür aber sonst nichts und Outfit-mässig Jeans und weisses Shirt mit Sneakers. Es ist immer eine Frage des Gesamtauftrittes und der Balance.

Merci liebe Monika für das spannende Interview, ich freu mich schon auf unser Wiedervereinigung.

So und jetzt würde ich gern wissen, von wem wollen wir als nächstes erfahren welche Produkte im Einsatz sind und warum? Welcher Insider soll nun befragt werden? Sagt mal?

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3 Comments

  • Reply Neele 9. Februar 2017 at 15:03

    Vielen, vielen Dank für das tolle Interview!!! Monika klingt wirklich mega sympathisch. Ich würde mich so, so gerne mal von einem echten „Profi“ beraten lassen. An den Beauty Countern habe ich immer den Eindruck jeder will dir nur irgendetwas andrehen. Keine Ahnung, was einem wirklich steht, oder was man „braucht“.

    Zum Thema Natural Look: Den finde ich an anderen toll, ich selbst fühle mich damit aber irgendwie „nackt“. Ohne Eyeliner und viel Mascara traue ich mich nur sonntags vor die Tür 😉

    Danke auch für die Shampoo Tipps. Ich habe immer den Eindruck, nur mit Silikonen glänzen meine Haare…

    Die Quark Maske aus der Bravo kenne ich auch noch 😉

    Als Interview Partner? Gute Frage, ich kenne leider nicht so viele Beauty Menschen. Aber du findest bestimmt jemanden.

    Liebste Grüße,

    Neele

  • Reply Elina 17. Februar 2017 at 16:07

    Liebe Neele,

    wie schön, dass es dir gefallen hat.
    Wem sagst du das, manchmal finden sich leider an den Countern nicht die besten Beratungshilfen. Ich finde ja immer man sollte sich wohl fühlen, das ist doch das Wichtigste!
    Und zum Thema Natural Look: ich fühle mich ohne Mascara auch nackt, weil meine Wimpern noch sehr hell sind und ich keine Konturen ohne Wimperntusche habe, daher kann ich dich total verstehen.

    xo
    Elina

  • Reply Augenringe wegbekommen 13. Juni 2017 at 13:48

    Toller Artikel, gefällt mir gut. Ich habe diesen auf FB geteilt und manche Likes
    dazu bekommen. Weiter so!

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